M a r i e n h a f e / Ostfr.
Um 700 treten die Volksstämme der Friesen in die politische Geschichte ein. Unter ihrem König Radbod bildete sich ein friesisches Großreich, das in heftigen Kämpfen mit den vordringenden Franken unter Pippin verwickelt wird. Nach Radbods Tode 719 brechen neue heftige Kriege aus, als die Franken unter Karl d. Gr. bis 795 das gesamte Land untewrwerfen und der Frankenkrone einverleiben. Unter seiner Herrschaft kommt das Christentum mit der Bildung der Bistümer Bremen und Münster in das Friesenland. Normanneneinfälle und räuberische Wickingerüberfälle erschüttern das Land, das im Seehandel in seiner 1. Blüte steht. Das land ist in mehrere Grafschaften eingeteilt, und um 1200 gehört Marienhafe zum Lehnbesitz der Grafen von Calvelage-Ravensberg, bis das Land 1252 durch Erzbischof Addivert v. Branat an Bischof Otto II. von Münster überging. Neben der alten Obrigkeit treten um 1300 immer mehr auf Kosten der alten Rechte als Machthaber hervor. Gegen Ende der 14. Jhdts. ist hier das Geschlecht der tom Brok das mächtigste. Ritter Ocko I. tom Brok machte 1379 Aurich zum Mittelpunkt einer ausgedehnten Herrschaft. Unter seinem Nachfolger Widzel tom Brok finden die Vitalienbrüder unter Störtebecker hier Aufnahme, als er ihnen 1396 den Hafen von Marienhafe als Schlufwinkel überläßt. Von hieraus treten diese Seeräuber ihre Kaperfahrten in der Nordsee an. Durch diese Haltung kam Ritter Widzel tom Brok in schärfsten Gegensatz zu den Hansestädten Bremen und Hamburg, was diese zu kriegerischen Maßnahmen veranlaßte, die auch das Land arg in Mitleidenschaft zogen, konnten die Seeräuber geschlagen werden. Naxh Widzels Tod stehen sich Keno II. tom Brok u. der Hisko-Adena v. Emden im Machtkampfe gegenüber. Nach langjährigen Kämpfen kann sich 1417 Ocko II., Sohn Kenos II. tom Brok, Häuptling in Ostfriesland nennen. Bald treten neue Machtkämpfe mit Focko Ukena v. Leer auf, u. in der Entscheidungsschlacht 1427 bleibt Focko Ukena Sieger u. ist nun der mächtigste Häuptling Ostfrieslands. Sein Machtstreben wird ihm zum Verhängnis, denn die verbündeten ostfriesischen Länder unter den Häuptlingen Edzard und Ulrich Cirksena besiegen ihn 1433. 1454 wird Ulrich I. Cirksena von Friedrich III. in den Reichsgrafenstand erhoben und mit den neu gegründeten Grafschaften Norden, Emden und Emesgonien in Ostfriesland belehnt. Die nachfolgende Friedenszeit unter seiner Regierung hatte hier eine günstige Entwicklung zur Folge. Aber schon ziehen während der sächsischen Fehde 1514 - 1517 mit Herzog Heinrich v. Braunschweig-Wolfenbüttel neuerdings Kriegsschrecken über das Land, und auch die dann beginnenden Reformationswirren verschonen den Ort keineswegs. Der Ausbruck des 30-jährigen Krieges jedoch vernichtete allen Wohlstand. Schon im Jahre 1622 fallen die Mansfelder Söldner sodann brandschatzend, raubend und plündernd hier ein. Ihnen folgten 1627 die kaiserlichen Truppen und im Jahre 1637 hessische Verbände. Bei Kriegsende lagen Handel und Wandel schwer darnieder, denn Einquartierungen und die vielen Durchzüge der Truppen hatten allen Wohlstand vernichvernichtet, und das wechselhafte Kriegsgeschehen hatte Verwüstung und Zerstörung hinterlassen. Mit dem Aussterben der Cirksenas fiel das Land dann an Preußen.. 1805 besetzten die Holländen dieses Gebier und 1810 wird Marienhafe französisch. Nach dem Abzug der Franzosen kommt der Ort 1813 zunächst wieder an Preußen, um 1815 hannoverisch zu werden. 1866 wird Hannover als Provinz Preußen eingegliedert, und unter preußischer Regierung wird dann der Aufbau fortgesetzt. Dann machte aber der II. Weltkrieg 1939 jeglichen weiteren Fortschritt zunichte, und sein Ende 1945 brachte den völligen Zusammenbruch allen öffentl. u. wirtschaftl. Lebens. Ganz neu mußte nun wieder begonnen werden, was unter den größten Schwierigkeiten erfolgte u. die Wunden vernarben ließ.