Rudolf Folkerts, Marienhafe

De Fähnkanal, een haast vergäten Waterweg

hochdeutsche Fassung

De "Fähnkanal", dat is de Kanal van 't Berumer Fähn na Nörden, up de Hunnerten un Dusenden van Frachten Törf na de Stadt un Schliek na 't Moor brocht worrn sünt, un dat meest all mit "Muskelkraft".

Vör ruugweg tweehunnert Jahr gung dat los mit Utgraven van de Fähnkanal, un 'n dick hunnertdartig Jahr lang was he 'n heel wichtigen Frachtweg. Nu is he bloot noch good to Offwatern, in d' Sömmer ook to Bootjefahrn, un up 'n heel'n Enn' is he neet mähr as 'n bäter Toggschloot.

Man wo dat to de Tied utsagg, as de Kanal noch vull in Gebruuk weer, dat hett 1959 mal Konrad Heeren vertellt, de van 't Fähn stammen deh und best van Bescheed wuß. Mennigeen weet säker noch, dat he lang' Jahren de Berufsschool in Nörden vörstahn hett.

Dat mit de Fähnkanal is mit de Jahren all 'n Stück Heimatgeschichte worrn, un dorför harr Heeren ook 'n heeln Bült aver. He hett domals, 1959, meent, dat muß mal upschräven worrn, dat van de Fähnkanal. Un hier is 't, nettso, as dat do van hum vertellt worrn is.

De Fähnkompanie is 1794 togang kamen. Hör gung dat mähr off minner dorum, dat se de Törf, de up 't Hochmoor graven un drögt weer, good un hannig na Nörden brengen kunn. Straten as nu gaff dat do je noch neet, de Wägen wassen mähr schlecht as recht un faaktieds wäkenlang neet to bruuken, un up de Ackerwagens kunn ook neet alltovööl Törf verstaut worrn: Up 'n "Huttjefohr" wurr de Törf upschmäten un bleef liggen as he falln weer, man up 'n örntlich Fohr muß he fein süver upfleejt wäsen. All dat hulp aberst nix, wenn 't Wäär neet mitspölen deh; Rägen - un weer 't ook man bloot 'n Gewitterschuur - mook de sandige Grund van de Wägen to Mudder, dor kunnen de Wagens heel fell in fastraaken. Sünner frömm' Hülp wassen se neet so licht wär 'rut to kriegen. Dorum muß wat bäters utfunnen worrn.

De Lü van d' Fähnkompanie keeken sück up anner Mooren in Ostfreesland um, wor ook Törf graven wurr. Dor wurr de Törf smals glieks bit up de Sand offgraven, man een schmall Stückje Moor bleef erst noch stahn. De "Spitt", dat offgraven Stück Moor, leep van sülms vull Water. Na un vör wurrn de stahnbläven Moorstückjes dörstaken, un up 't Letzt gaff dat denn 'n Kanal, up de lüttje Schäpen fahren kunnen, de vull Törf packt wassen.

Sowat muß doch up 't Berumer Moor ook to maaken wäsen, meenen de Lü van de Fähnkompnie. Se sunnen der aver na, wor so 'n Kanal langs un wo breed he woll wäsen muß, wat för Schäpen bruukt worrn kunnen un wor Utwiekstäen anleggt worrn mussen, so dat Schäpen, de van 't Moor, un Schäpen, de van Nörden kwammen, annanner vörbi kunnen. För all dat wurr Rat söcht un ook funnen.

1796 gung 't los mit dat Utgraven van de Kanal, un so um 1800 was he klar: 't kunn losgahn mit de Törfschipperee van 't Berumer Fähn na Nörden.

Wat is dat för 'n Wark west! Dat Moor up 't Berumer Fähn was to de Tied mähr as tein Meter hooger as de Waterspeegel van 't Galgendeep in Nörden, wor de Fähnkanal utloopen sull; un 't Water will alltied andahl, neet bi de Höcht up. So muß dorför sörgt worrn, dat de Waterstand averall so was, as he bruukt wurr. De, de de Kanal biräkend hemmen, wassen keen Döskoppen, nä, se harrn 't fell rut, wo 't maakt worrn muß.

Unnerwägens wurrn twee "Verlaaten" mit Pumphuusen boot, dor mussen de Törfschippen denn in 'n "Kumm", 'n Art Backje, infahrn. Vörn un achtern van so'n "Kumm" wassen Schlüsen, de dicht- un apendreiht worrn kunnen. Wenn 't "na baben", up 't Fähn an, gahn sull, mussen 450 Kubikmeter Water in de "Kumm" pumpt worrn, dat was mennig Teetass' vull. Weer de Waterstand in de "Kumm" nettso hoch as in 't Babenenn' van 't Deep, denn kunn de baverste Schlüs' apendreiht worrn, un 't kunn wiedergahn na 't Fähn to. Sull de Fahrt "na unner", na d' Stadt hen, gahn, denn was 't wat lichter, umdat de Schlüs' na 't Unnerenn apendreiht wurr un dat Water denn ut de "Kumm" utloopen kunn.

Mit de Verlaaten, Kummen un Schlüsen was 't aberst noch neet dahn: Dor weer mennig Weg, de dörschnäden worrn un wor denn 'n Brügg' van dat een nach dat anner Enn' boot worrn muß. Mit de Tied gaff dat veertein Brüggen aver de Kanal, un all mussen se apen- un ook wär dichtdreiht worrn, wenn der 'n Törfschipp off 'n Schliekpünt langs muß. Dor is nix mähr van averbläven: De Brüggen sünd nu fast inboot; se können neet mähr apen- un dichtdreiht worrn, höven dat ook neet mähr, dat is lang, lang vörbi...

Dat Wark van de Törfschippers was abs'lut keen Pläseer. So 'n "Last", dat wassen alltied 350 Körven vull Törf, egal off licht off schwar, un wenn 's ook verteihn Törfen hoch fein van Hand upfleijt worrn mussen. De Reis' gung 's mörgens um 4.00 Ühr los up 't Fähn, dört 't baverste "Verlaat", an "Unkel Fürst" *) sien Holt lang na Nadörst, dor nochmal dör 'n "Verlaat", un denn na Nörden.

*) Fürst zu Inn- und Knyphausen, Lütetsburg.

De Fahrt gung erst mal bit na d' Öljemöhlen, dor wurr Paus' maakt hento 9.00 Ühr: To disse Tied wurr de Isenbahnbrügg för een Stünn' apendreiht. Denn kunn de Fahrt wiedergahn hento de "Törfhafen" bi 't "Kanalkontor", dor wurr dat Schipp lösmaakt. Dat Schipp van de Dag vörher gung to glieker Tied wär up de Reis' na 't Fähn.

To so 'n Schipp hörden twee Mann. De een harr 'n dicken "Seel" *) aver Bost un Puckel. Dor weer 'n lang' Tau, 'n "Lien", an, dat an 't Vörenn van dat Schipp fastmaakt was; dormit muß he dat Schipp trecken, un dorum heet he ook "De Jung' in d' Lien". De anner harr 'n langen holten Stang', 'n "Spaar"**), de achter an 't Schipp inhaakt weer; dormit muß he dat Schipp so regeern, dat 't jo neet an de Kanten stöten deh. Dat was ook 'n Künst! He heet "De Mann mit d' Spaar". *) 'n schwaren, breeden, knütt'n Reem. **) Up Hochdütsch: "Ein langer Sparren"

All' dat gifft 't neet mähr; up de Fähnkanal worrt keen Törf mähr verfracht't, all lang neet mähr...

Ook de Schliekpünten gifft 't neet mähr, mit de de Schliekschippers de Schliek ut de "Butenhafen" van Nörden na 't Fähn henbrengen de'n, dat "Kultur" in 't Moor kweem. In "Schliekfacken" wurr dat packt, stuuv an de Kanal, un van dor ut denn mit Perd un Wagen off mit 'n Moorkaar up 't offtörfte Moor brocht. Schliek, dat was vördem - na d' Mers - dat Beste, wat up 't Land kamen kunn. Weet vandaag ook haast nüms mähr, un de Minnsten können woll mit dat Woort "Schliekfatt" noch wat anfangen.

Een off anner mag sück noch woll up "Kaptein" Saathoff bisinnen können. He was een van de allerletzden, de noch dreemal in d' Wäk mit hör Schlickpünten tüschen 't Fähn un 't Nörder Siel unnerwägens wassen. Dorvan gaff dat twee: Een was "mit Logis"; dor wassen twee Butzen inboot, in de de "Käptn" un sien "Stürmann" avernachten kunnen, wenn se in d' Nörder Hafen liggen blieven mussen. De anner was sünner Butzen un kunn bloot dagaver bruukt worrn.

De Schliekschippers harr'n dat neet jüst licht, wenn se mit hör Schliekpünten dör 't Siel bi Freericks sien Saagwark mussen. De Pünten vull Schliek harren 'n good Gewicht un wassen neet licht to regeern. Wenn de Sieldören apenmaakt worrn sullen, denn kwamm dat smals up Millimeters an: Weer de Waterstand an de Butensiet to hoch un dormit de Waterdruck up de Sieldören to foß, denn kreeg 'n mit keen Macht van de Welt de Dören apen, un 't muß wacht' worrn, bit dat Water buten un binnen gliek hoch stunn; man denn gung 't heel licht.

Un wenn de Dören erst apen wassen, denn muß dat Dörschlüsen heel fell gahn, dor dürs je neet alltovööl Soltwater na binnen loopen, umdat dat Binnenwater neet to solten worrn sull. Dat heet, hento Nadörst kwamm dat Soltwater meest doch. Dordör was dat "Unnerdeep" tüschen Nadörst un Nörden so schier as man wat: Dat Soltwater leet keen Rüschen, keen Reith un ook keen Kattstärten upkamen. In 't Winter was dor ook dat moijste Schöfeliis, dor kunnst up schwajen as 'n Een, - mit "Breinermoorers"*) gung dat alltied am besten. Well kann dat noch?

*) Schöfels, de in dat Dörp "Breinermoor" maakt wurrn un de bisünners good to Langloopen wassen.

De letzde Schliekpünten sünt 1928 van Nörden na 't Fähn treidelt*) worrn. As 1929 dat Leybuchtsiel dichtmaakt wurr, weer 't dahn mit de Schliekschipperee, un ook mit de Törffrachten gung 't so bi lüttjen to Enn. In Nörden is dor, wor vördem de Törfschippen mit hör Frachten anleggen de'n, nu 'n Straat, un in Nadörst is de Fähnkanal umleit't worrn na d' Addingaster Deep, vanwägen dat Offwatern. An de Hauptstraat tüschen Nadörst un Nörden is van de oll Kanalbredd' ook neet mähr vööl averbläven, dor kunn nu keen Törfschipp mähr up langs: De Kanal is mähr off minner bloot noch 'n bäter Toggschloot. Vööls vergeiht nu mal feller as 't kamen is.

*) Treideln: 'n Waterfahrtüg van 't Land ut trecken.

Eens dürt ook neet vergäten worrn: De Törfschippers mussen neet bloot hör Törfschipp na Nörden brengen, nä, se mussen dor ook noch

Böskupp loopen för de Fähnlü; so harrn se meesttieds "up Umtuur" noch wat mittobrengen.

Man de Tied to 't Böskupploopen was naar knapp: Dat muß all in de een Stünn' dahn worrn, in de de Isenbahnbrügg apendreiht weer! Un van 't Kanalkontor hento "Spieker-Cremer"*) is so ruugweg tein Minüten to loopen, een Tuur, versteiht sück. Dor bleef neet vööl Tied för 'n Prootje up d' Straat off in d' Ladens.

*) Landloopig Nam' för de Firma "Reinhard Cremer Söhne" in Nörden, de Spiekers un anner Isengoodje to Koop harr.

Dat is anners worrn, hööfst vandaag neet mähr in d' Stadt van 't Fähn her, wenn du wat koopen wullt: Kannst meest alls up 't Fähn kriegen. De "Supermarkten" hemmen sück feller ook up 't Land breed maakt, as mennigeen lövt hett, un 'n heel'n Rieg van de lüttje Geschäften, de "Krüneerswinkels", de sück na un vör an de Kanal ansett't harrn, gifft 't ook all lang neet mähr, - se kunnen tägen de groote Konkurrenz neet an.

Man: Heel weg is he je doch noch neet, de Fähnkanal, de vör ruugweg tweehunnert Jahr utgraven wurr un de 'n paar Minschenollers lang een van de wichtigste Lävensaders för 't Berumer Fähn west hett.

Un dat dürt neet in 't Vergätelbook kamen!

Noch wat:

1.) Fähndirektoren wassen:

1840 - 1857: Sicco Doden Cremer

1858 - 1869: Laurens van Hülst

1882 - 1914: Theodor van Hülst

(He fierde 1906 sien 25-jahrig Jubiläum.)

2.) Utwirkung van de Inflationstied (1921 hento 1923):

1932 stunn in d' "Kurier":

Die Norder Fehngesellschaft sah sich gezwungen, infolge schlechten Torfabsatzes vier Fördermaschinen stillzulegen, wodurch 120 Arbeiter arbeitslos wurden. (Vgl. "Kurier-Rückspiegel" vom 26.6.1982)

3.) Hochmoor:

De Waterspegel van 't "Ewige Meer" is nettso hoch as de Dackfirst (Bockpannen) van d' Ludgerikark in Nörden.

4.) Anlag' van 't Berumerfähntjer Holt:

De Anlag' van 't Berumerfähntjer Holt hett Theodor van Hülst in 't Wark sett't (un, antonähmen, ook bitahlt).

5.) Märkenfiguren:

De Märkenfiguren in 't Berumerfähntjer Holt hett de Unkelsegger van Theodor van Hülst, Carl von Rose ut Hameln, stift't. He was 'n Söhn van de Süster, Johanna van Hülst geb. Rose.

6.) Notiz in dat "Wilhelmshavener Heimatlexikon" 1986, Siet 99:

(Steiht dor up Hoch, hier is 't up Platt aversett't:)

Dörp un Arbeiterwahngemeend' van de Gemeend' Grootheid (7630 Ew.), Landkreis Auerk.

Dat Fähn wurr 1794 dör 'n Sellskup van Nörder un Hager Börgers, de "Nörder Fähn-Companie", anleggt.

De Berumerfähn-Kanal ("Moordeep") verbinnt dat Moorkuntraij mit de Stadt Nörden.

7.) Törfschipp:

In dat Book "Baltrum" (Verlag A. H. F. Dunkmann, Auerk) is up Siet 115 offbillt:

Törfschipp, getreidelt, an d' Berumerfähn-Kanal

Vörn: De Jung "in d' Lien" *) Achtern: De Mann mit de "Spaar" **)

(Foto Paulsen, Norden)

*) Lien: Tau, dat Schipp to trecken; 't is an 'n lären Reem fastmaakt, de aver linker Schuller un rechter Bost leggt woort.

**) Spaar: Een langen Stang' (Sparren).

Copyright 20.9.1992.


Rudolf Folkerts, Marienhafe

Der Fehnkanal, ein fast vergessener Wasserweg

Der "Fehnkanal", das ist der Kanal vom Berumer Fehn nach Norden, auf dem Hunderte und Tausende Frachten Torf nach der Stadt und Schlick zum Moor gebracht worden sind, und das fast alles mit "Muskelkraft".

Vor rund zweihundert Jahren begann es mit dem Ausgraben, und reichlich einhundertunddreißig Jahre lang war er ein sehr wichtiger Frachtweg. Jetzt taugt er nur noch für die Entwässerung, im Sommer auch noch zum Bootfahren, und auf einer sehr langen Strecke ist er nur noch ein besserer Zuggraben.

Wie das zu der Zeit aussah, als der Kanal noch voll in Betrieb war, das hat 1959 einmal Konrad Heeren erzählt, der vom Fehn stammte und bestens Bescheid wußte. Manch einer weiß sicher noch, daß er lange Jahre die Berufsschule in Norden geleitet hat.

Das mit dem Kanal ist im Laufe der Jahre schon ein Stück Heimatgeschichte geworden, und dafür hatte auch Heeren sehr viel Interesse. Er hat damals, 1959, gemeint, das müsse einmal aufgeschrieben werden, das mit dem Fehnkanal. Und hier ist es, genauso, wie das damals erzählt worden ist.

Die Fehnkompanie ist 1794 gegründet worden. Ihr kam es mehr oder weniger darauf an, daß sie den Torf, der auf dem Hochmoor gegraben und getrocknet worden war, gut und schnell nach Norden bringen konnte. Straßen wie jetzt gab es damals ja noch nicht, die Wege waren mehr schlecht als recht und oftmals wochenlang nicht zu benutzen, und auf den Ackerwagen konnte auch nicht allzuviel Torf verstaut werden: Auf ein "Huttjefohr" (grobes Fuder) wurde der Torf aufgeworfen und blieb liegen wie er gefallen war, aber auf einem ordentlichen Fuder mußte er schön sauber aufgestapelt sein. All das nützte aber nichts, wenn das Wetter ungünstig war: Regen - und sei es nur ein Gewitterschauer - machte den sandigen Untergrund der Wege zu Schlamm; darin konnten die Wagen sehr leicht festfahren, und ohne fremde Hilfe waren sie meist nicht wieder freizubekommen. Daher muß etwas besseres erfunden werden.

Die Leute von der Fehnkompanie sahen sich auf anderen Mooren in Ostfriesland um, wo auch Torf gegraben wurde. Dort wurde der Torf meist gleich bis auf den Sand abgegraben, aber ein schmales Stück Moor blieb zunächst noch stehen. Der "Spitt" (das abgegrabene Stück Moor) füllte sich dann von selbst mit Wasser. Nach und nach wurden die stehengebliebenen Moorstücke durchstochen, und letztlich ergab das dann einen Kanal, auf dem kleine Schiffe fahren konnten, die voll Torf gepackt waren.

So etwas müsse doch auf dem Berumer Moor auch zu machen sein, meinten die Leute von der Fehnkompanie. Sie dachten darüber nach, welchen Verlauf so ein Kanal haben und wie breit er wohl sein müsse, was für Schiffe gebraucht werden sollten und wo Ausweichstellen angelegt werden müßten, so daß Schiffe, die vom Moor und Schiffe, die von Norden kamen, aneinander vorbeifahren konnten. Für all das wurden Möglichkeiten gesucht und auch gefunden.

1796 wurde mit dem Ausgraben des Kanalbettes begonnen, und so um 1800 war der Kanal fertig. Nun konnte es losgehen mit der Torfschiffahrt vom Fehn nach Norden.

Was ist das für eine Arbeit gewesen! Das Moor auf dem Berumer Fehn war damals mehr als zehn Meter höher als der Wasserspiegel des Galgentiefs in Norden, wo der Fehnkanal endete, und Wasser will stets bergab, nicht bergauf. Also mußte dafür gesorgt werden, daß der Wasserstand stets so war, wie er gebraucht wurde. Jene, die den Kanal berechnet haben, waren keine Dummköpfe, nein, sie hatten schnell herausgefunden, wie es gemacht werden mußte.

Unterwegs wurden zwei "Verlaate", eine Art Schüssel, mit Pumphäusern gebaut. Dort mußten die Torfschiffe dann in eine "Kumme", ein Becken, einfahren. Vor und hinter so einer "Kumme" befanden sich Schleusen, die auf- und zugedreht werden konnten. Wenn es "nach oben", zum Fehn hin, gehen sollte, mußten 450 Kubimeter Wasser in die "Kumme" gepumpt werden, das war manche Teetasse voll. War der Wasserstand in der "Kumme" dann genauso hoch wie der in der oberen Strecke des Tiefs, so wurde die obere Schleuse offengedreht und es konne weitergehen zum Fehn hin. Sollte die Fahrt "nach unten", zur Stadt hin, gehen, dann war es etwas leichter, weil die Schleuse zum Unterende aufgedreht wurde und das Wasser dann aus der "Kumme" auslaufen konnte.

Mit den Verlaaten, Kummen und Schleusen war es aber noch nicht getan: Da war manch ein Weg, der durchschnitten wurde, und wo dann eine Brücke vom einen zum andern Teil gebaut werden mußte. Im Laufe der Zeit gab es vierzehn Brücken über den Kanal, und alle mußten sie offen- und auch wieder zugedreht werden, wenn ein Torfschiff oder eine Schlickpünte dort entlang mußte.

Davon ist nichts mehr übriggeblieben: Die Brücken sind jetzt fest eingebaut; sie können nicht mehr auf- und zugedreht werden, brauchen das auch nicht mehr, das ist lange, lange vorbei...

Die Arbeit der Torfschiffer war durchaus kein Vergnügen. So eine "Last" hatte stets 35 Körbe voll Torf, einerlei ob leicht oder schwer, und wenn sie auch vierzehn Torfstücke hoch schön von Hand aufgestapelt werden mußte. De Reise begann morgens um 4.00 Uhr auf dem Fehn, durch das oberste "Verlaat", an dem Gehölz von "Onkel Fürst" *) entlang nach Nadörst, dort nochmals durch ein "Verlaat", und dann nach Norden. *) Fürst zu Innhausen und Knyphausen, Lütetsburg. Hier ging es zuerst einmal bis zur Ölmühle. Dort wurde Pause gemacht bis gegen 9.00 Uhr: Zu dieser Zeit wurde die Eisenbahnbrücke für eine Stunde offengedreht. Dann konnte die Fahrt weitergehen bis zum "Torfhafen" beim "Kanalkontor", wo das Schiff entladen wurde. Das Schiff vom Tag vorher ging zu gleicher Zeit wieder auf die Reise zum Fehn.

Zu so einem Schiff gehörten zwei Mann. Der eine trug ein dickes "Seel" *) über Brust und Rücken. Daran war ein langes Tau angebracht, das am Vorderende des Schiffes befestigt war; damit mußte er das Schiff ziehen. Der andere hielt eine lange Holzstange, die hinten am Schiff eingehakt war; damit mußte er das Schiff im Tief im Tief so lenken, daß es auf keinen Fall an die Böschung stieß. Das war auch eine Kunst!

*) Ein schwerer, breitgewebter Gurt.

All das gibt es nicht mehr: Auf dem Fehnkanal wird kein Torf mehr verfrachtet, schon lange nicht mehr...

Auch die Schlickpünten gibt es nicht mehr, mit dem die Schlickschiffer den Schlick aus dem "Außenhafen" von Norden zum Fehn brachten, damit "Kultur" in das Moor kam. In "Schlickfächern" wurde er gelagert, direkt am Kanal, und von dort aus dann mit Pferd und Wagen oder mit der Moorkarre auf das abgetorfte Moor gebracht. Schlick, das war einst - nach dem Mist - das Beste, was auf das Land kommen konnte. Das weiß heute auch fast niemand mehr, und die Wenigsten können wohl mit dem Wort "Schliekfack" noch etwas anfangen.

Der eine oder andere mag sich wohl noch an "Kapitän" Saathoff erinnern können. Er war einer von den allerletzten, die noch dreimal in der Woche mit ihren Schlickpünten zwischen dem Norder Siel und dem Berumer Fehn unterwegs waren. Davon gab es zwei: Eine war "mit Logis"; darin waren zwei Butzen eingebaut, in denen der "Kapitän" und sein "Steuermann" übernachten konnten, wenn sie im Norder Hafen liegen bleiben mußten.

Die Schlickschiffer hatten es nicht gerade leicht, wenn sie mit ihren Schlickpünten das Siel beim Freericks'schen Sägewerk durchfahren mußten. Die Pünten voll Schlick waren sehr gewichtig und daher nicht leicht zu dirigieren. War, wenn die Sieltore geöffnet werden sollten, der Wasserstand an der Außenseite zu hoch und damit der Wasserdruck zu stark, dann kriegte keine Macht der Welt die Tore auf. Wenn sie aber offen waren, dann mußte alles sehr schnell gehen: Es durfte ja nicht allzuviel Salzwasser landeinwärts fließen, damit das Binnenwasser nicht zu salzhaltig würde. Das heißt, bis nach Nadörst kam das Salzwasser doch. Dadurch war das "Untertief" zwischen Nadörst und Norden so besonders sauber: Das Salzwasser ließ keine Binsen, kein Schilf und kein Zinnkraut (Ackerschachtelhalm, auch "Reith" oder "Kattstärt" genannt) aufkommen. Im Winter war dort das schönste Eis, darauf konnte man besonders gut "schwajen" (in langgezogenem Bogen laufen), - mit "Breinermoorern" *) ging das am besten. Wer kann das noch?

*) Schlittschuhe, die in dem Dorf "Breinermoor" hergestellt wurden und besonders gut zum Lau- fen über lange Strecken geeignet waren.

Die letzten Schlickpünten sind 1928 von Norden zum Berumer Fehn getreidelt*) worden. Als 1929 das Leybuchtsiel geschlossen wurde, war es vorbei mit der Schlickschifferei, und auch mit den Torffrachten ging es so bei kleinem zu Ende. In Norden ist dort, wo einst die Torfschiffe mit ihren Frachten anlegten, nun eine Straße, und in Nadörst ist der Fehnkanal umgeleitet worden zum Addin

gaster Tief, wegen der Entwässerung. An der Hauptstraße zwischen Nadörst und Norden ist von der alten Kanalbreite auch nicht viel mehr übriggeblieben, darauf könnte heute kein Torfschiff mehr fahren: Der Kanal ist hier mehr oder weniger nur noch ein besserer Zuggraben. Vieles vergeht nun einmal schneller als es gekommen ist. *) Treideln: Ein Wasserfahrzeug vom Ufer aus ziehen.

Eins darf auch nicht vergessen werden: Die Torfschiffer mußten nicht nur ihr Torfschiff nach Norden bringen, nein, sie mußten meistens auf der Rückfahrt ("up Umtuur") etwas mitzubringen. Aber die Zeit zur Erledigung der Besorgungen war sehr knapp: Das mußte alles in der einen Stunde geschehen, in der die Eisenbahnbrücke offengedreht war! Und vom "Kanalkontor" bis zu "Spieker-Cremer"*) muß man so rundweg zehn Minuten laufen, einfache Strecke, versteht sich. Da blieb nicht viel Zeit für ein Gespräch auf der Straße oder im Laden.

*) Landläufiger Name für die Firma "Reinhard Cre- mer Söhne" in Norden an der Ecke Neuer Weg/ Osterstraße, die Nägel ("Spieker") und andere Eisenwaren verkaufte.

Das ist anders geworden, man braucht heute nicht mehr zur Stadt vom Fehn her, wenn man etwas kaufen will: Fast alles ist auf dem Berumer Fehn erhältlich. Und: Die "Supermärkte" haben sich viel schneller auch auf dem Lande breitgemacht als manch einer geglaubt hat. Eine ganze Anzahl jener kleinen Geschäfte, der "Krüneerswinkels", die nach und nach am Kanal entlang eröffnet worden waren, gibt es auch schon nicht mehr, - sie konnten gegen die große Konkurrenz nicht durchhalten.

Aber: Ganz verschwunden ist der Fehnkanal ja doch noch nicht, der vor rund zweihundert Jahren ausgegraben wurde und der ein paar Menschenalter hindurch eine der wichtigsten Lebensadern für das Berumer Fehn gewesen ist.

Und das darf nicht vergessen werden!

Noch etwas:

1.) Fehndirektoren waren:

1840 - 1857: Sicco Doden Cremer

1858 - 1869: Laurens van Hülst

1882 - 1914: Theodor van Hülst

(Er feierte 1906 sein 25-jähriges Jubiläum.)

2.) Auswirkung der Inflationszeit (1921 - 1923):

1932 stand im "Kurier":

Die Norder Fehngesellschaft sah sich gezwungen, infolge schlechten Torfabsatzes vier Fördermaschinen stillzulegen, wodurch 120 Arbeiter arbeitslos wurden.

(Vgl. "Kurier-Rückspiegel" am 26.6.1982.)

3.) Wasserspiegel:

Der Wasserspiegel des "Ewigen Meeres" ist genausohoch wie der Dachfirst (die Bockpfannen) der Ludgerikirche in Norden.

4.) Waldanlage Berumerfehn:

Die Waldanlage von Berumerfehn wurde von Theodor van Hülst veranlaßt (und vermutlich auch bezahlt).

5.) Märchenfiguren:

Die Märchenfiguren wurden vom Neffen des Theodor van Hülst, Herrn Carl von Rose, Hameln, gestiftet. Er war ein Sohn der Schwester des Th. van Hülst, Johanna van Hülst geb. Rose.

6.) Notiz im "Wilhelmshavener Heimatlexikon" 1986, Seite 97:

Berumerfehn: Dorf und Arbeiterwohngemeinde der Gemeinde Großheide (7630 Ew.), Landkreis Aurich.

Das Fehn wurde 1794 durch eine Gesellschaft Norder und Hager Bürger, die Norder Fehn-Companie, angelegt.

Der Berumerfehn-Kanal (Moortief) verbindet das Moorgebiet mit der Stadt Norden.

7.) Torfschiff:

In dem Buch "Baltrum" (Verlag A. H. F. Dunkmann, Aurich) ist auf Seite 115 abgebildet:

Torfschiff, getreidelt, am Berumerfehn-Kanal. Vorne: Der Junge "in der Leine" *) Hinten: Der Mann mit dem "Spaar" **) (Foto: Paulsen, Norden)

*) Leine: Tau, um das Schiff zu ziehen; es wurde über die linke Schulter und die rechte Brust gelegt. **) Spaar: Eine lange Stange (Sparren).

Copyright 20.9.1992.