Aus dem Privatarchiv "Turnverein Marienhafe" von R. Folkerts:
Aus der Vereinsgeschichte des Turnvereins Marienhafe von 1909 e.V.
Der Turnverein Marienhafe von 1909 e.V. ist der älteste sporttreibende Verein im Marktflecken Marienhafe. Er hat sich selbst in politisch schwierigen Zeiten stets behaupten können, wenn es auch nicht immer leicht war. Die Turner haben treu zu "ihrem" Verein gehalten, aber andere sporttreibende Vereine oder Gruppen dabei nicht als "Konkurrenz" betrachtet.
Schon 1913 erwarb der Turnverein Marienhafe einen Turnplatz an der Rosenstraße; es war das Gelände, das die "Küstenbahn" von 1883 bis 1906 als Güterbahnhof und zugehörigen Lagerplatz genutzt hatte. Um das Gelände kaufen zu können, mußte der Turnverein eine "Juristische Person" sein, die Rechtsgeschäfte verbindlich abschließen kann, und ins Vereinsregister beim Amtsgericht Norden eingetragen werden. Seither lautet sein Name "Turnverein Marienhafe von 1909 e.V.". Als Vorsitzender wurde Dr. Schomerus vermerkt, der dieses Amt bereits seit Herbst 1909 bekleidete.
Der Verein gehörte seit seiner Gründung der "Deutschen Turnerschaft" an, die nach 1933 in den "NS-Reichsbund für Leibesübungen" eingegliedert worden war. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren durch die Alliierten alle NS-Organisationen aufgelöst sowie sämtliches NS-Vermögen beschlagnahmt worden; entsprechende Vermerke wurden auch in die Grundbücher eingetragen.
In Marienhafe wurde schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eifrig Sport getrieben, auf dem Turnplatz an der Rosenstraße ebenso wie auf Weideflächen, wo eine neu entstandene Fußball-Abteilung trainierte. Davon ausgehend, daß die erwähnte Auflösung auch den Turnverein Marienhafe betroffen habe, taten sich Turner und Sportler in einem "Turn- und Sportverein Marienhafe" zusammen, aus dem später die "Turn- und Rasensportgemeinschaft 1946 e.V." ("TuRa 46") wurde. Man holte die vereinseigenen Geräte, die in der Kriegszeit weit in der Umgegend verstreut worden waren, wieder zusammen und brachte sie ins "Weiße Haus". Ein reger Turn- und Sportbetrieb im Saale wie im Freien setzte ein, wobei sich der alte Turnplatz bald als viel zu klein erwies; auch der zunehmende Verkehr auf der Bundesstraße 70, die im südlichen Bereich von Marienhafe "Rosenstraße" heißt, behinderte mehr und mehr insbesondere die Leichtathleten.
So kam es dann zu dem Vorschlag, den Turnplatz zu verkaufen. Ein Käufer war bereit, dafür 3.000,00 DM zu zahlen, eine gewiß nicht unbeträchtliche Summe, die nach den Vorstellungen des Vorstandes des damaligen "Turn- und Sportvereins" zur Herrichtung eines Fußballplatzes auf einem dem Landkreis Norden gehörendem Gelände am Störterbekertief Verwendung finden sollte. In der Jahreshauptversammlung vom Februar 1950 wurde über den Verkauf beraten. Die Turner hatten im Grundsatz wenig dagegen einzuwenden, trugen aber die Bitte vor, von dem Verkaufserlös 1.000,-- DM zur Erneuerung bezw. Instandsetzung der Turngeräte bereitzustellen. Diese Bitte wurde von dem damaligen Vorsitzenden des "Turn- und Sportvereins" mit den harten Worten abgeschlagen: "Meine Herren, Sie bekommen gar nichts!" Sie klingen denen, die dabei waren, noch heute schrill in den Ohren.
Außerdem wurde die bis dahin geübte Regelung, den Posten des 2. Vorsitzenden mit einem Turner zu besetzen, abrupt beendet: Die Turner waren plötzlich im Vorstand nicht mehr vertreten. Das brachte natürlich die Turner "auf die Palme". Der bis dahin als 2. Vorsitzender amtierende Turner Carl Casjens hat anderntags zusammen mit Rudolf Folkerts beim Amtsgericht Norden sowohl das Grundbuch als auch das Vereinsregister eingesehen. Dabei wurde festgestellt, daß der Turnverein Marienhafe e.V. nach wie vor im Vereinsregister als "Juristische Person" (Vorsitzender Dr. Schomerus) sowie im Grundbuch als Eigentümer des Turnplatzes an der Rosenstraße eingetragen war. Über eine Beschlagnahme durch die Alliierten gab es keinen Vermerk: Der Turnverein hatte sich ja niemals die Buchstaben "NS" vorangestellt.
Umgehend ist dann per Laufzettel eine Zusammenkunft der "alten" Mitglieder des Turnvereins einberufen worden, auf der beschlossen wurde, den Turnbetrieb ab sofort in eigener Regie wieder aufzunehmen. Schon am nächsten Tage wurden die dem Verein gehörenden Geräte, die sich damals im "Weißen Haus" befanden, in das Vereinslokal "Zur Waage" geholt, wo sich von Stund an ein reger Turnbetrieb entwickelte. Davon, daß sich die "Turner nach Meinungsverschiedenheiten über die Vorstandsbesetzung und den Verkauf des alten Turnplatzes" abgetrennt hätten, wie das in der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Turn- und Rasensportgemeinschaft 1946 e.V. zu lesen ist, kann keineswegs die Rede sein: Die Turner haben nur ihre Rechte gewahrt.
Alle Versuche, den Verkauf des Turnplatzes dennoch durchzusetzen, wobei sogar der Landessportbund Niedersachsen eingeschaltet wurde, blieben ergebnislos: Es stand ja klipp und klar fest, daß der Turnverein Marienhafe von 1909 e.V. nach wie vor existierte und zudem rechtmäßiger Eigentümer des Turnplatzes war.
Erst viele Jahre später ist es dann doch zum Verkauf des Turnplatzes gekommen. Der Erlös von 7.000,00 DM bildete 1954 den Grundstock für die "Dr. Schomerus-Halle" am Speckweg, die heute in das umfangreiche Angebot an sportlichen Einrichtungen in Marienhafe und Upgant-Schott voll einbezogen ist und vielfältig genutzt wird. Wäre es 1950 zum Verkauf des Turnplatzes gekommen, so wären mindestens die 2000,00 DM, die in den gepachteten Sportplatz investiert werden sollten, verloren gewesen: Dort ist ab 1952 eine Wohnsiedlung entstanden. Der Turn- und Sportbetrieb hätte dort also schon nach zwei Jahren kaum mehr möglich sein können. Die Verwendung des Verkaufserlöses für den Bau der Dr. Schomerus-Halle war sicherlich vernünftiger. Die "Trennung" von 1950, die in Wirklicheit gar keine war, hat also letztlich gute Frucht getragen. -
Mehrere Besprechungen, die später mit dem Ziele eines Zusammenschlusses von Turnverein und Turn- und Rasensportgemeinschaft zu einem "Turn- und Sportverein Marienhafe 09/46" geführt worden sind, endeten ohne konkretes Ergebnis, da es immer wieder Vorbehalte gab wie etwa, daß man zuerst das 25-jährige Bestehen von TuRa 46 feiern wolle. Daß der Turnverein Marienhafe von 1909 e.V. für sich allein bestens existieren kann, wird nicht nur durch die steigende Mitgliederzahl (inzwischen mehr als 500) bewiesen, sondern auch durch den starken Zuspruch, dessen sich die verschiedenen Abteilungen erfreuen können, und die große Anteilnahme an den Veranstaltungen verschiedenster Art.
13.8.13.
Lieber Herr Mannott!
Namens des hiers. Turnvereins frage ich bei Ihnen an, ob Ihr Verein unserer Einladung zum 7. n. Mts. Folge leisten wird. Herr Fischer, mit dem ich heute sprach, stellte uns eine Beteilgung in bestimmte Aussicht. Zweck dieses Schreibens ist es weiter, Ihnen Verein um leihweise Überlassung eines Recks und eines Barrens zu ersuchen. Wir lassen die Sachen evtl. Sonnabends dort wegholen und liefern sie Montag früh sofort wieder zurück. Herr Fischer meinte, auch dieser Wunsch würde uns erfüllt. Drittens: Würde Ihr Verein unser Saalfest vielleicht dadurch verschönern helfen, daß Ihre Turner einige Pyramiden oder ähnliche stellten? Unsere Mannschaft ist zu solchen Kunststücken noch nicht imstande, wir möchten aber abends etwas schön-turnerisches bieten. (Mit Wunsch III habe ich Herrn Fischer noch nicht belästigt, weshalb ich hauptsächlich bei Ihnen anfrage. Ich habs heute Morgen vergessen! Natürlich sofort nach meiner Rückkunft nach hier vom Vors. einen Rüffel bekommen.) Sind bei dem zu leihenden Reck die Verankerungen, oder müssen wir diese hier vorher anbringen?
Viele Grüsse!
Ihr
(Eine Unterschrift fehlt auf Durchschrift, es war vermutlich die des damaligen Schriftführers, Auktionator Redelf Folkerts.)